Renés /8

Der „Motor“ meines Fiat verstummte nach 470 Kilometern Autobahn. Technobeats und Rockrythmen erfüllten die Luft. Und um uns herum das geordnete Chaos. Wir fanden uns in der Warteschlange zum Rust and Roll wieder. Ich stieg aus und ließ meinen Blick schweifen. Golf 1, 2, 3, 4 und Polos in allen Verwesungszuständen soweit das Auge reichte. Doch etwas stimmte nicht. Ich stutzte, und dann sah ich es. Inmitten dieser homogenen VW-Zombiehorde lauerte ein Monster und entließ schwarze Rauchschwaden in den strahlend blauen Sommerhimmel.  Kurz darauf kam mein Kollege auf mich zu. Er war seinerseits mit einem Mercedes Diesel angereist und schon ein paar Stunden eher da gewesen. „Ich hab da schon was, was wir unbedingt fotografieren müssen!“ Und ich wusste schon was er sagen würde. Der Purple Diesel Eater. 

Manchmal gibt es Dinge, die hauen einen aus den Socken. Das kann eine musikalische Neuentdeckung sein, ein geiler Film oder die süße Rothaarige auf der Tanzfläche. Und oft eben auch Autos. Was mich sofort an dem Benz faszinierte, war das Offensichtliche und Namensgebende: die lilafarbene Lackierung. Ich steh drauf, wenn man Farbe bekennt. Mattschwarz ist natürlich auch ne schöne Option, aber längst nicht die einzige. Viel schwerer wiegt für mich ohnehin, dass es inzwischen zum Silbermetallic der Möchtegernoutlaws geworden ist.
Die Geschichte wie der Benz zu seiner Farbe kam ist übrigens nicht alltäglich. Der Stricher war im original Farbton ahorngelb. Das war René zu langweilig. Und in einer Nacht- und Nebel-Aktion im Dezember 2012 (immerhin waren es +3℃ ) sind er und ein guter Kumpel, der übrigens auch René heißt, auf die Idee gekommen, dass der Wagen eine andere Farbe benötigt. Und wo gibt’s die geilsten Matttöne? Genau! Im Graffitizubehör! Also ab zum nächsten Sprayerladen und eine Farbe ausgesucht, die besser zur Laune passt. Knallen sollte es auf jeden Fall. Die Wahl fiel damals schon auf auf dieses purple. Nur waren davon nur noch zwei Kannen im Regal. Und man braucht ja mindestens 6 bis 7 Kannen.
Also haben die Jungs was anderes ausgesucht. Ihre Wahl fiel auf "Sangria". Ein, wie René sagt, sehr tolles altrosa. Die Message war klar. Und ich kann mich da so was von mit identifizieren, weil ich es genau so mache:
„Fuck Mattschwarz. Die Welt ist finster genug!“
So rosa blieb der Wagen auch erst mal. Bis zum Juli 2013. Da trat René eine automobile Rundreise durch die Schweiz, Italien, Frankreich und letztendlich auch Monaco mit einem BMW Z4 an. Fragt mich nicht, wie man darin schläft oder auch sonst leben soll. Aber der Mann ist offensichtlich leidensfähig. Oder hat Hotels genutzt. Wie auch immer, Ich schweife schon wieder ab.
Vor dem Urlaub fragte Renés Kumpel René (jetzt wird’s kompliziert), ob er den Wagen für die Zeit seiner Abwesenheit über die Straßen scheuchen dürfte. Unter anderem auch zum Bockhorner Oldtimer Markt, weil das H-Kennzeichen freien Eintritt bedeutet. Seine Antwort:

„Na klar! Aber leg ihn vorne noch tiefer wenn du Zeit hast."

Der Urlaub verging und Rene, also der Besitzer des Sternenkreuzers, wollte sein Auto wieder zurück. Bei seinem Kumpel auf dem Hof angekommen, hat er sich erstmal nen Bier aufgemacht. Und voller Erwartung schaute er sich um. Doch kein Stricher zu sehen. René wurde etwas unruhig. Doch dann die Erlösung: Um die Ecke beim Nachbarn auf dem Rasen, in der hintersten Ecke, da stand er in lila mit einem kupferfarbenen Dach, frisch tiefergelegt und mehr Sound dank Auspufftuning. Alles in der Zeit seines Urlaubes gemacht von seinen Kumpels René und Jens.
Fazit: Auto verleihen kann auch toll sein.

René fährt den 75er /8 übrigens seit Oktober 2012 und hat seitdem knappe 40 000 Kilometer zu den geschätzten 400 000, die die Karre eh schon hat, dazu addiert. Daran kann man schon ablesen, dass das Auto nicht geschont wird. Er ist dazu da, von A nach B zu kommen – nur halt mit etwas mehr Stil, als es ein Auto von der Stange bieten könnte.

Dass der 240D gerade mal 80 PS aus drei Litern Hubraum liefert, ist dabei halb so wild. Dafür säuft er ja nur 11- 13 Liter Diesel. Kommt also nicht von ungefähr der Name „Purple Diesel Eater“. Und wenn der Mercedes mal losgelassen wird, brüllt er wie Godzilla auf Steroiden und der Himmel verfinstert sich. Schade, dass Fotos keinen Ton haben, aber ich habe selten einen Diesel gehört, der so einen geilen Sound hat. Hubraum sei dank.
Dass René nichts über Hubraum geht, verrät auch der Spruch auf der Heckscheibe. „Heil Hubraum“. „Ei“, dachte ich, „voll in die Fresse.“ Dass ein paar Buchstaben so sehr provozieren können. Ich kam da erst mal gar nicht drauf klar. Aber René provoziert ja absichtlich damit. Es geht nicht um die Politik, sondern ist Renés vor Sarkasmus triefender Beitrag zur Bildhetzkampangne von vor ein paar Wochen. KLE berichtete HIER und HIER. Also ruhig Blut. Sonst hätten wir den Benz auch nicht hier.

Rene, will seinen Kollegen für das unverhoffte Geschenk auf diesem Wege noch danken. Die Chance soll er haben:

Ein Fettes danke an René und Jens.

Bild und Text: CW

Kommentare:

  1. Toller bericht und geiler "schlitten" der /8 ! ! ! (mag ich!) :-)

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  2. GNAH! :-D
    Ich als Spießer bin ja eigentlich kein Fan der rattigen Autoszene, aber da mein erstes Taunus Coupé auch lila war hat der Daimler und sein Fahrer meine ganze Sympathie!
    Sandmann

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